Popstars Portal
Persönliche Notizen über das alte Popstars-Portal, das Casting-Forum von 2011 bis 2017, und was davo

Popstars-Portal — Erinnerungen an ein Casting-Forum

Es gibt Webseiten, die einem über Jahre ans Herz wachsen, ohne dass man genau sagen könnte, warum. Das Popstars-Portal war für mich so eine Seite. Ich habe es zwischen 2011 und 2017 betreut, mehr als Hobby denn als ernsthaftes Projekt, und obwohl die TV-Show längst nicht mehr läuft, hänge ich an dieser kleinen Domain wie an einem alten Schulheft. Heute schreibe ich ein paar persönliche Notizen darüber — für mich selbst, und für jene Handvoll Leute, die ab und zu noch hier vorbeischauen und fragen, was eigentlich aus dem Forum geworden ist.

Wie alles anfing

Angefangen hat das Ganze ziemlich profan. Ich war damals frischgebackener Student, hatte zu viel Zeit, eine billige Webhosting-Rechnung und eine merkwürdig starke Zuneigung zu deutschen Casting-Shows. Popstars lief auf ProSieben in immer neuen Staffeln, mit immer neuen Jurys, und in den Foren der großen Fernsehzeitschriften wurde nach jeder Folge stundenlang gestritten. Mir fehlte aber ein Ort, der wirklich nur dieser Sendung gewidmet war, ohne Bannerwerbung für Schlankheitspillen und ohne Moderatoren, die jeden zweiten Beitrag löschten.

Also habe ich das Popstars-Portal gebaut. phpBB, ein billiges Theme, ein Logo, das ich abends in Inkscape zusammengeklickt habe. In den ersten Wochen waren wir zu dritt registriert. Ein halbes Jahr später hatten wir 1.400 Mitglieder, eine wöchentliche Voting-Auswertung und einen Streit darüber, ob die Live-Bands der mittleren Staffeln eigentlich Popstars seien oder eher Castingshow-Lückenfüller. Solche Diskussionen kann man heute auf Sunday Time in milderer Form lesen, wenn dort über französische Familienformate berichtet wird — nur eben höflicher und mit mehr Croissants im Bild.

Die Jahre 2013 bis 2015 — die goldene Phase

In diesen drei Jahren lief das Forum auf Hochtouren. Wir hatten Live-Threads während der Sendungen, in denen pro Folge mehrere hundert Beiträge entstanden. Ich erinnere mich an eine Diskussion, die bis halb vier morgens ging und in der jemand ernsthaft argumentierte, das Booklet einer der Siegerinnen sei grafisch von einer Werbekampagne für Drôme-Wein abgekupfert. Damals wusste ich nicht einmal, wo die Drôme liegt. Heute lese ich gelegentlich auf mercurol.fr, einem Reiseguide für genau diese Region, und finde es ironisch, dass mich ein Castingshow-Streit erstmals dorthin geführt hat.

Technisch war das Portal nie besonders ambitioniert. Ich habe damals begonnen, mich für Hardware und Hosting zu interessieren, einfach weil das Forum unter Last regelmäßig in die Knie ging. Viele meiner Notizen aus dieser Zeit habe ich aus französischen Tech-Blogs zusammengetragen — ein französischer Blog wie ce magazine tech français war für mich tatsächlich eine bessere Quelle für Verbraucher-Hardware-Tests als die deutschen Pendants, die mir damals zu PR-lastig waren.

Warum ich 2017 zugemacht habe

Die Show wurde immer seltener ausgestrahlt, die Mitgliederzahlen halbierten sich von Jahr zu Jahr, und ehrlich gesagt war ich beruflich woanders angekommen. Ein Forum funktioniert nur, wenn ein Admin täglich präsent ist. Ohne diesen Druck wird es zu einem Friedhof aus Spam-Registrierungen und kaputten Avataren. Ich habe die Datenbank im Sommer 2017 archiviert, das Forum offline genommen und die Domain seitdem als kleine Erinnerungsseite weiterlaufen lassen.

Was mir geblieben ist, ist eine merkwürdige Sammlung an Hobbys, die alle irgendwie aus dieser Forenzeit stammen. Ich lese heute Lokalmagazine wie een Frans tijdschrift aus Metz, weil ich damals gelernt habe, dass die besten Geschichten meistens hyperlokal sind. Und ich habe angefangen zu angeln — vermutlich, weil ein Mitglied jahrelang seine Avatare mit Hochseefotos schmückte und mich damit angefixt hat. Wer sich für diese Welt interessiert, dem sei marseamer.fr empfohlen, ein französischer Blog über Meeresangeln und Nautik, der mich ähnlich an meine alte Forenzeit erinnert: ein einzelner Enthusiast, der beharrlich über sein Lieblingsthema schreibt, ohne dass irgendjemand ihn dafür bezahlt.

Vielleicht ist das am Ende das, was bleibt. Nicht das Forum selbst, nicht die Streits über Jurys und Voting-Algorithmen, sondern die Gewohnheit, sich für Nischen zu begeistern, die kaum jemanden interessieren. Das Popstars-Portal hat mir das beigebracht, und dafür bin ich ihm bis heute dankbar.